Auszug aus dem Trainingstagebuch:

 

 

 

21.12.2007 Weihnachtsgrüße

 

Die allerbesten Weihnachtsgrüße und alles Gute im neuen Jahr habe ich meinen Freunden, Fans, Sponsoren und Sympathisanten  ja schon gewünscht. Dieses turbulente Jahr neigt sich seinem Ende und ich bin froh, es relativ schadlos überstanden zu haben. Trotzdem habe ich Federn lassen müssen. Wer das Tagebuch öfter liest, wird zwischen den Zeilen schon den ein oder anderen Unterton registriert haben. Mein persönliches Umfeld hat sich radikal verändert und wie ich finde, in eine positivere Richtung. Leider habe ich auch Menschen verloren, die den Weg zu mir hoffentlich wieder finden. Manch andere habe ich in der Vergangenheit als meine Freunde bezeichnet. Wenn es aber ganz hart kommt, erkennt man plötzlich, dass man von einem Tag auf den anderen ganz allein da stehen kann. Kann, betone ich an der Stelle, denn ich hatte Glück. Glück, mich nur in wenigen Menschen getäuscht zu haben.

Die das bedrohte Schiff schon vor dem Untergang verlassen, sind die eigentlich Schiffbrüchigen, denn das Schiff kann mit einer guten Mannschaft an Bord wieder auf Kurs gebracht werden und neue Welten entdecken. Einer Mannschaft die mit einem durch Dick und Dünn geht und die sich bereits nach den ersten Tagen an Bord als wahre Kameraden und Freunde erwiesen haben. Hilfe kommt oft aus einer Richtung, aus der man sie gar nicht erwartet. Nichts ist beständiger als die Veränderung, sagt man ja so schön. Man muss aber Entscheidungen treffen, auch wenn sie manchmal sehr schmerzhaft sind. Das Training und die Vorbereitung auf das große Ereignis im kommenden Jahr hatten mich fest im Griff. Das Schwimmen ist etwas, was dem, der es gern macht, unendlich viele schöne Momente beschert. Es hat nichts mit dem schnöden Mammon zu tun und ist auch garantiert nichts für Mittelpunktsmenschen. Meist ist man alleine im Wasser und jeder Schwimmer kämpft für sich allein. Wenn man seinen Rhythmus gefunden hat und die Harmonie der Bewegungen, braucht man sich nicht mehr auf das Schwimmen konzentrieren, sondern begibt sich in eine Welt die einem nur gut tut.  Und irgendwann stellt man fest, dass das Wasser nicht mehr der Gegner, sondern ein Freund ist, in dessen Aura man sich sehr wohl fühlt.

Irgendwann ist mir mal das Wortspiel „Das Streicheln des Wassers“ eingefallen.

Das trifft es, glaube ich, am ehesten. Und kommt man aus dem Wasser, erwarten einen die nächsten schönen Augenblicke.

Auf ein erfolgreiches 2008!

 

 

19.03.2008

 

Nun wird es aber wieder höchste Zeit, Tagebuch. Lange habe ich nichts mehr geschrieben und willst du wissen, warum? Der heutige Tag ist der Beginn von der neuen Seite eines neuen Lebens. Ab heute kann ich mich wieder aufs Schwimmen konzentrieren. In den letzten Wochen ging es nicht, nicht das trainieren, nicht die lustigen Sprüche und vieles andere auch nicht. Das hatte  berufliche und  private Gründe. Es gibt wichtigere Dinge als das Schwimmen. Man kämpft, und zwar um die nackte Existenz. Es sind nicht die körperlichen Belastungen, die einen an die Nieren gehen. Es sind die mentalen und psychischen Belastungen, die einen manchmal fast den Verstand rauben. Aber keine Angst, meine Tassen habe ich alle noch im Schrank. Vielleicht war diese Bewährungsprobe der ausschlaggebende Punkt zur Bewältigung des Kanals. In den nächsten Tagen und Wochen gehe ich daran, die Ärmelkanaldurchquerung vorzubereiten. Es ist nicht mehr weit hin und dringend brauche ich Sponsoren, die mit aufs Schiff wollen. Die ganze Angelegenheit kostet Geld und genau da sieht es bei mir ganz, ganz schlecht aus. Also wer dieses Abenteuer direkt vom Schiff aus mit verfolgen will, meldet sich bitte. Es kann eigentlich nur noch am Geld scheitern, denn meinen alten Trainingszustand habe ich in spätestens 6 Wochen wieder erreicht.

 

24.05.2008

 

Dieses Jahr wird es leider nichts mit der Durchquerung des Ärmelkanals. Seit Wochen laboriere ich an einer Erkrankung und Stoßverletzung meines linken Knies. Frühere Belastungen bei meinen sportlichen Aktivitäten, besonders des linken Knies, geben ihr übriges dazu. Es bilden sich immer wieder Reizergüsse. Ich weiß auch was ich verkehrt gemacht habe. Das Schwimmen in der Halle hat sehr viele Vorteile aber auch einen entscheidenden Nachteil. Ständiges Abstoßen bei den Wenden, wobei das stärkere Bein unbewusst auch stärker belastet wird, ist wahrscheinlich die Ursache. Die Stoßverletzung hat hingegen eine geringere Bedeutung. Die ist schon so gut wie ausgeheilt. Vorgestern erhielt ich die Hiobsbotschaft durch meinen Arzt Dr. Lange. Er rät mir dringend ab, mit der nicht ausgeheilten Verletzung und Erkrankung in die intensiven Trainingsvorbereitungen zu gehen. Ich würde damit noch mehr kaputt machen. Die Durchquerung würde dann erst recht in Frage gestellt. Auch für nächstes Jahr. Das will ich keineswegs riskieren, denn mein großes Ziel habe ich nach wie vor im Auge und werde auch nicht davon abgehen. Drei Jahre intensiver Vorbereitungen haut man nicht einfach weg. Außerdem bin ich es meinen Freunden und Betreuern, Sponsoren, den mittlerweile zahllosen Fans und Sympathisanten schuldig. Sie unterstützen mich wo sie nur können. Sie nehmen mich symbolisch an die Hand und führen mich durch dieses schwere Gewässer. An der Stelle großen Dank. Ich bin froh, dass es Euch gibt. Ihr gebt mir immer Motivation und Kraft.

Nackenschläge muss man hinnehmen können, auch wenn sie körperlich und mental belasten. Sie widerfahren einem eine Leben lang.

Den Spaß am Schwimmen habe ich nicht verloren und es gehört mittlerweile zu mir wie eine zweite Haut. Den Zweiflern, die es von Anfang an gab, möchte ich sagen, dass auch sie mir eine nicht zu unterschätzende Motivation geben.

Ich denke, dass ich in zwei bis drei Wochen wieder mit intensiverem Training beginnen kann, denn jeden Tag wird es ein klein bisschen besser und das ist doch schon mal was. Und noch was, man soll nichts übers Knie brechen.

 

09.12.2009

 

Ich habe nun sehr lange nichts mehr in mein Tagebuch geschrieben. Jetzt wird es aber Zeit, denn ich kann langsam wieder mit dem Trainieren beginnen. Im Juli vergangenen Jahres habe ich mir einen Nerv in der Schulter eingeklemmt, später zwei Rippen bei einem Radunfall gebrochen, den Rechten Daumen ebenso, der jetzt steif ist. Die Sturzverletzungen habe ich relativ schnell kurieren können, an dem eingeklemmten Nerv laboriere ich jetzt immer noch ein wenig. Mein Vorhaben habe ich jedoch nie aus den Augen verloren aber auch 2010 kann es nicht werden, denn die Vorbereitungszeit bis dahin ist zu kurz. Ich versuche gut über den Winter zu kommen und nächstes Jahr das Freiwassertraining optimal nutzen. Ich hoffe, dass sich dieses „Seuchenjahr“ nicht wiederholt. Wenn ich es 2011 angehe, werde ich 50 Jahre alt sein. Das Alter ist aber nicht gar so wichtig bei Ausdauersportarten. Zum Jubiläum ist es noch eine zusätzliche Motivation. Wichtig ist die mentale Verfassung. Wenn Dir beim Training aber ständig die Sorgen durch den Kopf gehen, kann es damit nicht gut bestellt sein. Gut bestellt war es aber immer um meine Freunde, seien es die Freunde aus dem Reitverein Plauen Oberlosa, meine Winterbadefreunde (jetzt sind wir schon zu dritt, der Micha kam dazu)  und die alten Kempen, die ich schon viele Jahre zu meinen treuen Begleitern zähle . Sie haben 100% zu mir gestanden und nie an meinem Vorhaben gezweifelt. Sie kennen mich gut. Es ging bei mir um das nackte Überleben.  Das Leben hält Überraschungen bereit, mit denen man nicht rechnet. Gut, dass ich immer in meinem Leben Sport getrieben habe und weiß, was ein Mensch aushalten kann. Ich könnte die nächsten 10 Seiten voll schreiben und über die letzten 18 Monate berichten. Ich mach das vielleicht mal später in einer anderen Form. Eine besondere Erwähnung verdient Gottfried Rohrschneider mit welchem mich mittlerweile eine sehr  freundschaftliche Kameradschaft verbindet. Sportsleute verstehen, was alles im Leben an Krisen und Wendepunkten mit Sportsgeist und Loyalität geschafft werden kann. Eine Bitte noch an meine Fans. Vertraut mir, denn wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, will ich es auch mit Erfolg durchführen. Manche nennen es Sturheit, ich nenne es Freude am Leben, denn nichts ist langweiliger als Stillstand. Bis bald...