Auszug aus dem Trainingstagebuch:

18.05.2006

2,5 km (100 Bahnen) in Rodau, Wasser 13 Grad, erster Versuch im kalten Wasser, bin bald gestorben, Unterschied wie Tag und Nacht zu Bad Elster, 50 Bahnen im kalten Wasser dauern 5 Minuten länger, schlimme Kopfschmerzen wegen der Kälte während der ersten 15 Bahnen, gab sich aber dann, Muskeln wissen gar nicht was los ist, kaum Wassergefühl, kein gleiten im Wasser, keine Harmonie. Frust. Mache es nächstes Jahr anders und gehe nicht so hart an die Temperaturwechsel. In Bad Elster sind 28 Grad, in Rodau 13 Grad. Da muss der Körper ja verrückt spielen. Habe  drei Stunden gebraucht, um wieder bei Sinnen zu sein. Bin nach Hause und habe mich ins Bett gelegt. Schnupfen bekam ich trotzdem nicht.

 

16.08.2006

Ich habe heute nicht trainiert. Wir haben unsere Oma Elisabeth zu Grabe getragen. Im gesegneten Alter von 95 Jahren hat sie uns verlassen. Sie war einer der wertvollsten Menschen, die ich in meinem bisherigen Leben kennen gelernt habe. Trotz widrigster Lebensumstände während ihres erfüllten Daseins war sie bis kurz vor ihrem Tod ein lebenslustiger Mensch. Sie ertrug zwei Weltkriege, die Vertreibung und den Verlust  ihrer Heimat. Den Tod ihres Mannes Oskar, der im Krieg gefallen ist, hat sie nie verwunden. Im Stillen war sie Zeit ihres Lebens deswegen voller Trauer.

Sie war wie ein wärmender Ofen in einem kalten Zimmer.

 

18.08.2006

Ich bin heute 10 km in der Talsperre Pöhl geschwommen. Das Wasser war mit 20 Grad wärmer als im Waldbad.  Vor Jahren hatte ich einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel. Auf diesen Distanzen macht er mir manchmal ganz schön zu schaffen. Es ist wie ein beginnender Krampf und zieht sich bis in den Wadenmuskel. Man beobachtet ständig die Entwicklung des Schmerzes und kann sich nicht recht konzentrieren. Mal schauen, wie das Schwimmen auf Mallorca ist. Die Wärme des Wassers macht die Muskeln geschmeidiger und vor allem leistungsfähiger. Nützt mir im Kanal zwar nicht viel, vielleicht erinnern sich aber die Muskeln. Muss mich nach dem Trainingslager um einen guten Physiotherapeut bemühen. Eine Massage in der Woche wäre schon hilfreich. Hilferuf an alle Physiotherapeuten und Sportmediziner, die sich mit so was auskennen!

 

23.08.2006

Training in der Bucht von Calla Bona. Ich habe mir heute ca. 10 Kilometer am Stück vorgenommen. Gestartet bin ich in der Bucht von Calla Bona und bin in Richtung Calla Millor geschwommen. Das Schwimmen in Ufernähe ist bei solchen Strecken eigentlich unerlässlich. Da ich das erste mal in dieser Bucht geschwommen bin, wusste ich auch nicht, was mich erwartet. Es war wie ein Flug über ein Hochgebirge. Da das Meer dort sehr klar ist, hat man  eine Sichtweite von ca. 10 Metern bis zum Grund. Es war ein unvergessliches Erlebnis die Felsmassive und die Unterwasservegetation während des Schwimmens zu sehen. Anfangs hatte ich schon Beklemmungen, da die schwarzen Felsen manchmal ganz schön bedrohlich wirkten. Es kommen einem ja die tollsten Fantasien, wenn man einsam über diese Unterwasserlandschaft schwimmt. Da ich in Griechenland während das Schwimmens schon einmal die Begegnung mit eine riesigen blauen Qualle hatte, die sich von mir unbemerkt genähert hatte und dann auch noch meinen Bauch streifte, war ich natürlich ständig auf der Hut und beobachtete das Terrain. Aber irgendwann beruhigt man sich und kann sich auf das Schwimmen konzentrieren. Die Technik ist eine andere. Man muss durch den Wellengang etwas weiter aus dem Wasser raus. Schön ist natürlich die Temperatur und der Auftrieb durch den höheren Salzgehalt. Von Calla Millor bin ich dann wieder zurück quer über die Bucht bis Calla Bona. In Ufernähe bin ich diesmal nicht geschwommen, da ich die Verhältnisse im offenen Meer kennen lernen wollte. Dort schütteln die Wellen dich ganz schön durcheinander und mehrfach haben sie mich regelrecht um die Längsachse gedreht. Schwindelig wurde mir nicht. Gefährlich in dem Zusammenhang sind die Motorboote, die mitunter recht unvorsichtig über das Wasser rasen. Man hört sie aber recht gut unter Wasser und kann sich bemerkbar machen. Manche bekleiden Dich ein paar Meter und stellen Fragen, die ich natürlich gern beantworte. Kopfschütteln ist meist die Reaktion. Da ich vorbei an meinem Startpunkt geschwommen bin, konnte ich die Erfahrung der sich ändernden Strömungsverhältnisse kennen lernen. Man schwimmt zwar sehr viel schneller, wenn einen die Strömung erfasst, hat aber auch zu tun, sich gegen sie zu wehren. Im Kanal ist es ähnlich. Ich bin dann wieder zu meinem Ausgangspunkt zurück geschwommen und habe ca. 13 km in knapp 3 Stunden zurückgelegt. Der körperliche Erschöpfungszustand hielt sich in Grenzen, trotzdem bin ich, nachdem ich gegessen und getrunken habe, am Strand ein Stündchen eingenickt.

 

28.08.2006 Piratenbucht Mallorca

 

Heute habe ich es mal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Die Piratenbucht ist ein Geheimtipp auf Mallorca. Die Bucht erreicht man nur nach einem halbstündigen Fußmarsch über Stock und Stein. Der erste Blick, der sich einem offenbart, lässt aber ganz schnell die Strapazen vergessen. Eingebettet von Felsen und schneeweißem Sand färbt sich dass Wasser azurblau. Ich bin dann auch nur ca. 5 km geschwommen und habe mich dann der Erholung hingegeben. Ganz unprofessionell habe ich mir eine Schaumstoffnudel unter die Arme geklemmt und mich in der Bucht treiben lassen. Die Kulisse , das warme Wasser und die Ruhe entspannten mich vollkommen. Bis, ja bis mir etwas am Schienbein und an den Fersen herumgeknabbert hat. Erst dachte ich, ich habe eine Sinnestäuschung. Doch als ich durch meine Schwimmbrille in das Wasser sah, sah ich, dass sich ganz kleine silberne Fische an mir zu schaffen machten. Die haben doch wirklich die Hornhaut von den Fersen gefressen. Ein paar Tage vorher habe ich mir beim Klippenspringen eine kleine Verletzung am Schienbein geholt. Der sich bildende Schorf hat ihnen besonders gemundet. Es hat nicht weh getan, blöd waren nur die vielen Haare an meinen Beinen. Die haben sie erstmal rausgerissen, um an die Wunde zu kommen. Trotz der lustigen Erfahrung musste ich erstmal aus dem Wasser raus, denn es hat mächtig geziept. Als ich zu meinen Freunden am Strand zurückkehrte und ihnen davon berichtete, wollten sie mir nicht glauben. Wir gingen alle ins Wasser und tatsächlich kamen die Fische wieder und taten sich an uns gütlich. Ich hatte einmal davon gelesen, dass die Behandlung von Schuppenflechte und verschiedener Hautkrankheiten mit Hilfe von kleinen Fischen erfolgt. Jetzt fanden wir natürlich eine Erklärung für dieses Phänomen. Ich hatte ja schon die Begegnung mit Quallen, Booten, Tauchern und unappetitlichen Dingen, aber diese Begegnung rechtfertigt einen außerordentlichen Vermerk im Tagebuch. Hoffentlich glaubt mir das jemand. Ich habe aber genug Zeugen und allen konnte die Sonne das Hirn nicht verdunsten.

 

28.09.2006 Talsperre Pöhl

 

Heute bin ich das erste mal mit einem Neopren — Anzug  (ironman instinct) geschwommen. Ich bin begeistert. Etwas Bammel hatte ich davor, denn ich bin froh, endlich das Wassergefühl und die Griffigkeit optimal mit der Haut zu erkennen. Habe ich einen Anzug an, ist der direkte Kontakt der Haut mit dem Wasser nicht mehr gegeben. Meine Bedenken waren jedoch nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil, dieses Material haben geniale  Erfinder in einer Sternstunde kreiert. Die Gleitphase ist um vieles besser. Dadurch schwimmt man auch schneller und hat besseren Auftrieb. Die Kälte des Wassers spürt man auch nicht so toll. Ein großes Problem offenbarte sich trotzdem. Ich bekam den am Rücken liegenden Reißverschluss nicht zu. Jetzt war guter Rat teuer. Gott sei Dank lag am Strand eine junge Frau, der einzige Mensch weit und breit. Ich ging zu ihr, sie erschrak erstmal, als sie dieses schwarze Individuum sah, welches sie angesprochen hat. Ich bat sie, mir zu helfen, was sie gern und professionell tat. Sie sagte, dass sie das schon öfters bei Surfern gemacht hat. Keine zwei Meter von uns waren ca. sechs Schwäne. Der Schwanenchef konnte sich mit mir nicht arrangieren und begann mich anzugreifen. Wahrscheinlich betrachtete er die junge Frau zu seiner Familie zugehörig und wollte sie beschützen, denn sie war nicht nur nett, sondern auch hübsch. Ich suchte also das Weite. Die junge Frau rief mir noch nach, dass sie mich beschützen würde. Ich bedankte mich höflich, zog es aber vor, endlich schwimmen zu gehen. Der Schwanenchef verfolgte mich nämlich weiterhin.

Ich schwamm von Gansgrün bis zur Schlosshalbinsel und wieder zurück in 1 Stunde und 40 Minuten. Ich schätze, es sind zwischen 6 und 7 Kilometer. Ein kleiner Wadenkrampf machte mir unterwegs zu schaffen, der verabschiedete sich aber wieder. Schön war, dass keine Boote auf der Talsperre waren und das Wasser eine gute Qualität hat. Nur das Fahrgastschiff kreuze zweimal meine Bahnen. Die Fahrgäste winkten mir zu und ich winkte zurück. Ich weiß schon, was die denken. Balla Balla der Kerl. Erschrocken bin ich auch zweimal, denn plötzlich hatte ich einen Bund Algen gegriffen. Gerade als ich den Runners High (Adrenalinschub, der ein unbeschreibliches Glücksgefühl erzeugt und alles von allein geht) hatte. 

Unbeschreiblich ist die Natur, die man beim atmen ja trotzdem registriert. Ich bin sehr froh, mir diese Sportart ausgesucht zu haben. Als ich wieder am Startpunkt angelangt war, hoffte ich, dass die junge Frau noch da war. Dies war leider nicht der Fall. Die Schwäne waren auch weg. Stattdessen musste ich mir von zwei jungen Männern den Reißverschluss aufmachen lassen, denn der hatte sich wieder verhakt. Die machten das aber auch bereitwillig. Ich setzte mich noch eine halbe Stunde ans Ufer, trank Schorle, aß zwei Bananen und genoss die Natur diesmal vom Strand aus. Herrlich diese Ruhe!

Mit dem Reißverschluss muss ich mir was einfallen lassen. Der ist zwar nicht kaputt, durch die Spannung des Anzuges ist er aber schwer von allein zu schließen. Wenn im Spätherbst niemand mehr an der Talsperre ist und meine Frau keine Zeit hat, muss ich den zu Hause an– und ausziehen.

Ich stell mir dann die Gesichter der anderen Autofahrer an der Ampel vor. Am besten, ich setz gleich noch die Badekappe und die Schwimmbrille auf. Ich glaube aber nicht, dass ich so die Talsperre erreiche. Spätestens in Chrieschwitz holen mich die Polizisten aus dem Verkehr und sperren mich in die Gummizelle.

 

01.10.2006 Talsperre Pöhl

 

Heute wieder von Gansgrün zur Schlosshalbinsel und zurück. Ich habe den Neopren — Anzug nun doch zu Hause angezogen. Das war auch gut so, denn an der Talsperre war kein einziger Mensch. Ich habe mir eine Jacke drüber gezogen, die Gummibeine sah man trotzdem. Als ich aus dem Haus kam, fragte mich einer, ob das neue Windblocker — Radhosen sind. Ich erklärte im kurz die Situation und er hat schallend gelacht. Badekappe und Schwimmbrille habe ich aber beim Autofahren weggelassen. Das Schwimmen war soweit normal. Es gab unangenehmen Wellengang (kurze kleine Wellen), die mir ständig ins Gesicht klatschten. Die hohen Wellen sind mir bedeutend lieber. Der Regen störte mich hingegen weniger. Wassertemperatur 17 Grad.

Als ich zurück schwamm, erwischte mich eine Strömung, die mich in die Helmsgrüner Bucht trieb. Ich habe es gar nicht gleich gemerkt. Als ich meinen Orientierungspunkt suchte, fand ich diesen nicht, stattdessen saßen am Ufer Angler, die ich hinzu nicht bemerkt hatte. Sie winkten mir zu, ich schaute mich um und merkte meinen Irrtum. Dadurch schwamm ich eine längere Strecke und brauchte auch 20 Minuten mehr. Diesmal konnte ich den Anzug selbst ausziehen und bemerkte dabei, dass er Wärme abstrahlte. Das bedeutet, dass er auch Körperwärme speichert, was ja sonst nicht passiert. Man darf sich natürlich nicht vorstellen, dass der Körper heiß ist. Es ist jedoch durchaus hilfreich.

 

29.10.2006 Bad Elster / Elsterado

 

Das Schwimmen in Bad Elster ist wie eine Seelenmassage. Die Bahn ist zwar etwas kurz, für Grundlagentraining jedoch bestens geeignet. Es geht nicht nur darum hunderte Bahnen zu schwimmen, sondern auch die Basis für die neue Freiluftsaison zu legen. Im Winter werden die Helden gemacht, sagen die Langstreckenschwimmer.  Mein Trainingsplan sieht im Winterquartier Trainingseinheiten vor, die man im Sommer weniger berücksichtigt. Dazu gehört schwimmen nur mit den Beinen oder nur mit den Armen. In Rückenlage fußwärts schwimmen, wobei die Fußspitzen ständig aus dem Wasser ragen und der Vortrieb nur mit den Armen erfolgt. Brustschwimmen mit angehockten und verkreuzten Beinen, wobei wiederum nur die Arme aktiv werden. Rückenschwimmen kopfwärts, Fußspitzen aus dem Wasser, Vortrieb nur mit den Armen. Der Vorteil dieser Trainingseinheiten besteht darin, dass doch etwas Abwechslung in den manchmal tristen Trainingsalltag einzieht. Der gesamte Körper steht unter Spannung und wird umfassend trainiert. Nach drei Stunden Grundlagentraining ist man wesentlich geschaffter als nach drei Stunden Kraulen. Aber es gibt ja noch andere Annehmlichkeiten im Elsterado. Ich darf die Sauna benutzen! Als langjähriger Saunagänger kann ich beurteilen, wie erholsam diese nach einer straffen Trainingseinheit  ist. Der Clou sind aber die Massagedüsen mit Hilfe derer die Muskeln entspannt werden. Aber Vorsicht! Das kann auch schief gehen, denn man unterschätzt leicht die Wirkung dieser Düsen. Es soll schon Leute gegeben haben, die  nach langer Massage mit Massagedüsen tagelangen Muskelkater hatten und unter Schlafstörungen litten. 

Im Winter, wenn es schneit und die Schneeflocken während des Schwimmens die Haut berühren lernt man ein Gefühl kennen, welches mit nichts zu vergleichen ist. Das meine ich, wenn ich sage: „.....Harmonie im Einklang mit den Elementen“!

Auch im Elsterado werde ich immer wieder auf mein Vorhaben angesprochen. Das freut mich!!!

 

12.12.2006 Klink am Brunnenberg Bad Elster

 

Leider habe ich einen Rückschlag hinnehmen müssen. Auf Grund eines Unfalles war eine Bandscheibenoperation unumgänglich. Die Operation ist aber gut verlaufen und die anschließende Reha in der Klinik  am Brunnenberg in Bad Elster kann nur weiterempfohlen werden. Die professionelle Einstellung des gesamten Klinikpersonales hat mich sehr beeindruckt. Gott sei Dank kann ich im Elsterado wieder schwimmen. Den Trainingsrückstand muss ich jedoch wieder aufholen und auch vorerst etwas kürzer treten. Ich habe aber noch genügend Zeit bis 2008 und bin mir sicher, dass ich es schaffen werde. Ich muss mal recherchieren, wie viel Schwimmer mit operierter Bandscheibe schon durch den Kanal geschwommen sind. Nach Auskunft des Chefarztes der Reha—Klinik Dr. Breitbeck, steht dem Vorhaben nichts im Wege. Im Gegenteil, das Schwimmen und die damit verbundene allseits trainierte Muskulatur haben den Heilungsprozess positiv beeinflusst und die Schädigung in Grenzen gehalten. Also „Schwimmen was das Zeug hält!“  Generell ist gegen Langstreckenschwimmen (Kraul) nichts einzuwenden, auch bei dieser Erkrankung. Alles negative hat auch wieder etwas positives. Ich habe während dieser Kur Menschen kennen gelernt, die mich sehr beeindruckt haben, deren Gesellschaft ich in vollen Zügen genossen habe und die trotz schweren Loses einen göttlichen Humor besitzen. Ich habe auch die Erkenntnis erlangt, dass es viel wichtigere Dinge gibt, als durch den Kanal zu schwimmen. Ich hatte die Gelegenheit Menschen zu treffen, die jeden Tag den Kampfgeist eines Kanalschwimmers haben (siehe Freunde und Familie).

 

01.01.2007 Elsterado

 

Am Neujahrstag das erste mal im Elsterado. 100 Bahnen (2km) lockeres Schwimmen. Geht nach der Operation wieder alles sehr gut. Den alten Trainingszustand habe ich wieder erreicht. Das Grundlagentraining, mit welchem ich schon kurz nach der Operation wieder angefangen habe, zahlt sich bestens aus. Ich hätte keine so schnellen Fortschritte erwartet. 5 kg Krankheitskummerspeck haben sich auch in Luft aufgelöst.

Seit ich einer von zehn Kandidaten zur Wahl zum „Vogtländer des Jahres“ war, welche  von der Freie Presse initiiert wurde, hat sich auch bei mir wieder einiges verändert. Mein Vorhaben, durch den Ärmelkanal zu schwimmen und das Waldbad Rodau, sind mehr denn je im Gespräch. Außer hart trainiert zu haben, habe ich aber eigentlich noch gar nichts erreicht. Die Vereinsarbeit mal ausgenommen. Den verdienten drei Erstplatzierten, besonders der „Vogtländerin des Jahres“ , Heike Teubner, gratuliere ich ganz herzlich. Auf welchem Platz ich gelandet bin, wird von der Jury bisher nicht verraten. Trotzdem habe ich mich über die Nominierung sehr gefreut. Vielleicht rafft sich ja dadurch der eine oder andere zu mehr schwimmender Aktivität auf. Wie schon gesagt, „Schwimmen, was das Zeug hält“. Es schadet in keiner Weise und schafft Wohlbefinden, wenn man nicht gerade den Drang hat, immer etwas Flüssiges schlucken zu wollen. Ins Elsterado kommen mittlerweile schon regelmäßig  einige Badegäste, die immer mal einen Schwatz mit mir machen wollen. Und da der Vogtländer das  gern macht, mache ich das auch gern, obwohl ich ja eigentlich gebürtiger Thüringer bin. Kurios ist, dass der Vogtländer im sächsischen Gebiet kein Sachse sein will. Er bildet eine ganz eigene Spezies. Er ist Vogtländer! Und: Es kann nur einen geben! Das es auch noch das bayerischen und thüringische Vogtland gibt, ignoriert er bisher vollkommen.

Am Sonntag, den 07.01.2007 werde ich im Elsterado 500 Bahnen (10 km) schwimmen. Ich bin gut vorbereitet und habe mir ein Zeitlimit von 3 Stunden und 30 Minuten vorgenommen. Ich werde zwischendurch nicht essen und trinken, sondern mich im Vorfeld entsprechend ernähren.

 

07.01. Elsterado

 

Die 500 Bahnen (10 km) gingen leichter als erwartet. Ich hatte mir ein Limit von 3 Stunden und 30 Minuten gesetzt. Geschafft habe ich die Distanz in 3 Stunden 19 Minuten und der Ordnung halber, 7 Sekunden. Das entspricht ziemlich genau 3 km/h. Ich trainiere extra dieses Tempo, denn damit will ich auch durch den Kanal. Ursprünglich wollte ich heute während des Schwimmens nichts essen und trinken. Den Plan habe ich geändert und habe isotonische Getränke zu mir genommen. Sie sind reich an Kohlehydraten, Vitamin C, Vitamin B2, Calcium und Magnesium. Mit 1,5 Litern bin ich aber nicht ganz hingekommen. Das nächste mal muss ich mindestens 2 Liter auf diese Distanz trinken und auch etwas für danach haben. Das sind aber alles Erfahrungswerte mit denen ich mich langsam an die optimale Ernährung herantaste. Ansonsten wirken diese Getränke aber Wunder.

Zum Frühstück gab es volle Kanne Haferflocken mit Traubenzucker. Ich machte die Augen zu und fraß das Zeug in mich rein. Damit hatte ich aber eine gute Grundlage und brauchte nichts weiter zu essen. Nach dem Schwimmen zwei Bananen und 2 Orangen. Das muss ich das nächste mal auch anders machen.  Die Orangen sind durch die Fruchtsäure nicht das richtige. Der Magen ist ja leer und die Säure könnte die Magenschleimhäute angreifen. Gemerkt habe ich zwar nichts, Vorsicht ist trotzdem geboten. Ich werde wohl auf hochenergetische Fertignahrung zurück greifen müssen. Essen muss ich das nächste mal auch während des Schwimmens, denn 10 km sind meiner Meinung nach die Maximaldistanz ohne Nahrung.

Während reichlich drei Stunden Schwimmens im Elsterado habe ich auch wieder einiges erlebt. Mal abgesehen von den Leuten die warten und überlegen, wie lang der das noch durchhält, gibt es auch Badegäste, die mit mir um die Wette schwimmen wollen. Sie warten, bis ich an der Wende bin und dann legen Sie los, so schnell  wie sie können und hoffen eine Bahn mithalten zu können. Manchmal lasse ich mich dazu hinreißen und nehme den Vergleich an. Ich muss sagen, dass recht gute Brustschwimmer dabei sind. Da ich aber nur kraule und Kraul auch die schnellste Schwimmart ist, ist der Wettkampf meist schnell zu Ende. Besonders lustig waren heute die zwei Flossenschwimmer (Mann und Frau). In kompletter Ausrüstung (Schnorchel, Taucherbrille und natürlich Flossen) tauchten sie plötzlich neben mir auf und wieder ab. Da ich aber zu dem Zeitpunkt schon eine gewisse Gelassenheit hatte, schmunzelte ich nur ein wenig unter Wasser. Für mich ist dieses 20 m Becken schon zu kurz, für den Flossenschwimmer wird es regelrecht gefährlich. Durch die hohe Geschwindigkeit hat sich so mancher am Beckenrand auch schon  eine dicke  Beule am Kopf geholt. Als der Mann dann auch noch mit einer Monoflosse kam, musste ich so toll schmunzeln, dass ich mich fast verschluckt habe. Diese ist nämlich  noch schneller! Ich hielt kurz an und wollte schauen, ob am Beckenrand vielleicht auch Sauerstoffflaschen und Harpunen stehen. Das war aber nicht der Fall. Ich begab mich also wieder auf die Strecke und bald war auch diese Episode zu Ende. Zu ihrer Ehrenrettung muss ich sagen, dass sie gegenüber allen Schwimmern sehr rücksichtsvoll waren, auch wenn sich das Becken nach ihrem auftauchen langsam leerte. Es kann natürlich sein, dass sie nur Material getestet haben und möchte ihnen auch sonst nicht zu nahe treten.

Wenn jemand sagt, schwimmen sei langweilig, hat er sich gewaltig geirrt. Wenn mal nichts weiter im Becken los ist, denkt man an die vielen Begebenheiten, die man schon erlebt hat und malt diese noch ein bisschen aus. Den Text für das Tagebuch mache ich meistens auch schon während des Schwimmens.  Und dann muss man natürlich noch zählen, aber das geht schon automatisch.

 

14.01.07 Elsterado

 

600 Bahnen (12 km) in Bad Elster. Durch wenig Schlaf auf Grund der Geburtstagsfeier meiner Mutter, war ich schon bevor es losging geschafft. Ich hatte zwar keinen Alkohol getrunken (das mache ich das erste mal wieder in Frankreich), der Schlafmangel machte sich aber stärker bemerkbar als gedacht. Für die Strecke brauchte ich 4 Stunden und 10 Minuten. Das sind genau 10 Minuten zu viel. Den Schnitt von 3 km/h konnte ich diesmal nicht halten. Auch hatte ich zum letzten Training einen Fehler bei meinen Dehnübungen gemacht. Ich hatte Schmerzen in den Schultern, deren Ursache eine leichte Überdehnung der Muskulatur war. Die Schmerzen gaben sich erst nach der 400. Bahn. Ich habe sogar überlegt, das Training abzubrechen. Den Schweinehund schickte ich aber in die Hölle und schwamm mit teilweise starken Schmerzen weiter. Was soll ich denn im Kanal machen, wenn nach 25 km die Schmerzen kommen? Die Indianer schwimmen zwar nicht solche Strecken, die kennen aber auch keinen Schmerz. Denen tut durch das lange Reiten wahrscheinlich eher der Arsch weh. Heute, am 16.01.07 sind die Schmerzen Vergangenheit. Da zeigt sich wieder, dass der menschliche Körper Schmerzen ertragen kann, ohne weiteren Schaden zu nehmen. Ich glaube fest an die Selbstheilungskräfte des Körpers durch mentale und psychische Stärke. Nach dem Schwimmen bin ich in die Sauna, habe gegessen und getrunken, mich noch eine Stunde ausgeruht und die vielen kleinen Babys beobachtet, die zahlreich mit ihren Eltern planschten. Es ist schon erstaunlich, dass die allermeisten keinerlei Angst vor dem Wasser haben. Irgendwo habe ich gelesen, dass Babys kurz nach der Geburt und bis zu einem Alter von einem halben Jahr in der Lage sind zu schwimmen. Dies verliert sich dann wieder und später müssen sie es erneut mühevoll lernen. Ich habe schon vielen Kindern das Schwimmen beigebracht und dabei festgestellt, dass Ängste weniger durch das Element Wasser selbst, als eher durch die Temperatur  des Wassers hervor gerufen werden. Kinder sind glänzende Beobachter und erkennen an den Reaktionen der anderen eine Gefahr für sich selbst.

Die langen Strecken werde ich künftig Samstags schwimmen. Am Sonntag ist doch zu viel Betrieb im Becken.

 

22.01.07 Klinik „Am Brunnenberg“ Bad Elster

 

Heute habe ich mit der IRENA begonnen. Die IRENA ist eine ambulante Kur nach der Operation meiner Wirbelsäule. Ich bin froh, diese Kur wieder in Bad Elster machen zu dürfen. Die professionelle Einstellung des Personals und besonders der Physiotherapeuten begeistern mich. Ich betrachte mich als einen Menschen mit einer Krankheit, der jedoch nicht krank ist. Ich bin schmerzfrei, was ich auch den Leuten in Bad Elster verdanke, sowohl Dr. Kirchner von der Sächsische Staatsbäder Gmbh als auch Dr. Breitbeck in der Brunnenbergklinik. Den Vielen die dahinter stehen!  Die einen lassen mich trainieren, was das Zeug hält und die anderen nehmen mir die Schmerzen. Ist es nicht wunderbar?!  Die IRENA ist ein Programm, welches die wieder Genesenden langfristig (8 Wochen) trainiert, ihnen Fehler im Bewegungsablauf aufzeigt und letztlich zur Genesung führen soll. Wenn jetzt irgendjemand der Meinung ist, das ist alles Pille Palle und doch leicht zu schaffen, sage ich nur, schwitz die Gedanken schön aus Dir raus. Ströme werden fließen. Ströme von Schweiß und Tränen. Ich kann stundenlang schwimmen, eine halbe Stunde intensive Wirbelsäulen gestützte Krankengymnastik bei Frau Krüger lässt auch mir den Bruch austreten. Nicht ganz, natürlich, denn wenn Profis am Werk sind, merkt man es erst zwei Tage später am Muskelkater. Der Echte kommt erst dann! Ich will eigentlich nur sagen, dass ich die IRENA klasse finde. Sie hat mir beim letzten mal schon sehr geholfen und jetzt ist mein gesamtes muskuläres und auch mentales System durch das Schwimmen und den Behandlungen in Bad Elster in einem ausgezeichneten Zustand. Besonders gut finde ich in der Klinik am Brunnenberg, dass man in dem Bewegungsbad auch sehr gut schwimmen kann. Mit dem Brunnenbergleuten verbinden mich vergleichbare Emotionen wie zum Waldbad Rodau oder dem Elsterado. Die Menschen sind es halt, auf die es ankommt. Ob in Rodau, Altmugl am Muglberg, Bad Elster, Plauen oder sonst wo auf dieser Welt. 

 

19.04.2007 Elsterado

 

Gerade komme ich vom Training aus dem Elsterado und fühle mich gleich viel besser. Mir geht es gut und ich habe die Wasserstreicheleinheiten während der 500 Bahnen schmerzhaft und mit Freude genossen. Im August fahre ich mit meiner Familie und Freunden an die polnische Ostsee (Bucht von Wladislawowo). Ich trainiere und die andere machen Urlaub. Ich hab es mir nicht anders ausgesucht. Der Kanal ruft! Ich kann Dir mal in kurzen Worten beschreiben, wie es an der polnischen Ostsee ist: Wind, freundliche Menschen, der Strand ist selbst  bis ist weit nach 5.00 Uhr früh morgens belagert. Der Urlaub der Polen geschieht nicht in Räumen. Er geschieht im Freien. Alle 100 Meter gibt es eine Strand-Bar, in dem Künstler verschiedenster Genre ihre Musik präsentieren. Der Sonnenaufgang!  Eigentlich unbeschreiblich!

Es gibt viele junge Menschen. Sie sind mit einem Hörnchen, einer Flasche Wasser, einer Kuhle im Sand und einer Decke zufrieden. Es gibt keine Vorurteile gegen die Deutschen (versteckt vielleicht schon, ich hab jedoch keine bemerkt). Du merkst schon, dass ich momentan dort bin. Kilometerlange Strände, nur alle 50 Meter liegt ein einzelner Urlauber, morgens weis und abends rot oder braun. Eintauchen in die Ostsee, schwimmen darin und, um nach einer Stunde schwimmend festzustellen, dass man nun endlich umkehren muss. Beim Zurückschwimmen begegnet man auch mal einem Froschmann, der einen höflich durch sein Tauchergeschirr grüßt. Schreck lass nach.

 

09.06.2007 Talsperre Pöhl

 

Endlich! Die Freiwassersaison ist los gegangen. Und gleich das erste Mal auch ein wenig spektakulär. Ich hatte mir 10 km mit Neoprenanzug vorgenommen. Diese wollte ich unter 3 Stunden bewältigen und war überrascht, dass nach 2 Stunden und 37 Minuten schon alles vorbei war. Mit Neopren schwimmt man schon erheblich schneller. Allerdings musste ich eine Zwangspause wegen eines Gewitters einlegen. Dieses überraschte mich mitten auf der Talsperre. Das nächste Ufer war ausgerechnet der FFK Strand Helmsgrün. Ich kraulte also los wie ein Verrückter und hoffte, dass mir die Nudisten nicht den Anzug vom Leib reißen, wenn ich ans Ufer komme. Da ich selbst jahrelang diese Freikörperkultur genossen habe, weiß ich, dass es da sehr empfindliche Zeitgenossen gibt. Ich behielt aber meinen Anzug an und kam auch recht schnell ins Gespräch. Ca. 45 Minuten unterhielten wir uns über Gott und die Welt, über Kanalschwimmen und andere verrückte Vorhaben. Ich sag ja, egal wo auf dieser Welt, immer findet man Menschen, mit denen man sich auf Anhieb versteht. Als sich das Gewitter endlich verzogen hat, kam das nächste Problem auf mich zu und zwar in Form einer Segelregatta, die genau meinen Rückweg kreuzte. Wir haben schon beratschlagt, wie ich wieder zurück komme und kamen dabei auf die dümmsten Ideen. Ich entschloss mich dann doch, durch die kreuzenden Segelschiffe zu schwimmen. Im Ärmelkanal ist ja auch Schiffsverkehr. Das Problem war aber kleiner als erwartet. Man registrierte mich und nahm Rücksicht. Zum Abschied bekam ich noch ein paar Erdbeeren als Vitaminstoss und als ich schon im Wasser war und noch mal zurück schaute, ein freundliches Winken. Ich grüße von hier aus ganz herzlich.

Die 10 km habe ich gut verkraftet und mich innerhalb einer Stunde fast vollständig regeneriert. Das Wintertraining im Elsterado hat wahnsinnig viel gebracht. Im Vergleich zum Vorjahr habe ich enorme Fortschritte verzeichnen können.

 

 

21.06.2007 Talsperre Pöhl

 

Die vergangenen Tage habe ich mich an die veränderten Bedingungen im freien Gewässer gewöhnt. Ich schwimme nun täglich. Einen Tag in der Woche gebe ich mir frei. Mittlerweile bin ich bei 30 km in der Woche, wobei eine lange Strecke von 12 km an einem Tag eingeplant ist. Heute hatte ich einen sehr guten Tag und bin Start Gansgrün Richtung Helmsgrün, Schloßhalbinsel geschwommen. Das Schwimmen macht mir kaum noch Mühe. Ich halte meine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3—4 km/h. Jetzt kommt es darauf an, die Kondition schrittweise zu trainieren und die Distanzen zu erhöhen. Leider passieren aber immer wieder Dinge, die man so nicht voraussehen kann.  Ich prüfe vor jedem Start meine Schwimmbrille, das Bändchen meiner Badehose und das Armband meiner Uhr. Nach 2,5 km ist mir ein Malheur passiert. Nein, nicht das Bändchen der Badehose, sondern der Gummisteg meiner Schwimmbrille ist gerissen. Zum Glück hatte ich die Schwimmkappe über der Brille, so das diese mir nicht abhanden kam. Ich habe dann versucht, ohne Brille weiter zu schwimmen. Das ist jedoch so ungewohnt, dass ich es nach kurzer Zeit aufgegeben habe. Brust wollte ich nicht schwimmen. Ich habe dann kurzerhand mit Grundlagentraining auf der Talsperre begonnen. Rückenlage kopfwärts nur Arme, Rückenlage fußwärts nur Arme, verschränkte gehockte  Beine dabei Arbeit mit den Armen und Kraulsprint mit geschlossenen Augen, 50 Doppelzüge. Diese Reihenfolge habe ich ständig wiederholt. Als ich ankam war ich ganz schön kaputt. Das ging immerhin 1 Stunde und 20 Minuten. In Bad Elster habe ich das ja fast täglich gemacht. Die Gegenspieler werden so gut trainiert und das Risiko von Muskelverkürzungen ist eher gering. Einmal pro Woche werde ich so trainieren. Nach dem Training fuhr ich auf den Reiterhof Demeusel zu meinen Freunden und ruhte mich aus. Die Katja trainierte gerade mit der „Radix“. Als sie mit dem Training fertig war, ließ sie mich auch mal aufs Pferd. Das letzte Mal saß ich vor 38 Jahren auf einem Pferd. Reiten ist wesentlich anstrengender als Schwimmen! Für mich jedenfalls. Die Radix hat schon gemerkt, was da für eine Lusche auf ihr saß und benahm sich deswegen ganz manierlich. Zum Glück!  Weiter...