Da hat doch wirklich ein Opa von 70 Jahren den Ärmelkanal durchschwommen. Als übergewichtiger Familienvater von drei Töchtern habe ich diesen Artikel gelesen. Wasser war schon immer mein Plaisierchen. Und wenn es minutenlanges Duschen war. Geschwommen bin ich natürlich auch, manchmal. 20 Bahnen Kraul brachten mich aber schon an die Grenze des Erreichbaren. Das Schwimmen betrieb ich mehr oder weniger sporadisch, trotzdem gab es mir immer die Gewissheit, ein toller Hecht zu sein. Bis dieser Opa kam.

 

Das Schwimmen vor 18 Jahren. Ich meldete mich spontan zu einem Rettungsschwimmerlehrgang an und war nach dem Einschwimmen bereits fix und fertig. Während der 250 Meter Kraul habe ich mehrfach dem Tod durch Ertrinken ins Auge geschaut. Nach einem halben Jahr harter Ausbildung habe ich die Prüfung bestanden. Am Körper gestählt,  mit der Gewissheit in Zukunft nur noch das Wasser zu streicheln und nicht mehr zu hauen.

 

Das war damals. Der kraulende Opa geisterte in schlaflosen Nächten durch mein Hirn. Die Couch - Kartoffel raffte sich auf, ging in sich, hat lange und gründlich überlegt und  will sich nun selbst zeigen wo der Frosch die Locken hat. Ich begann zu trainieren, mich zu informieren, las Bücher über Technik, Methodik und Ernährung. Heute bin ich 15 kg Übergewicht los und in der Lage 20 km am Stück in einer annehmbaren Zeit auch bei 16 Grad Wassertemperatur zu schwimmen.  Im August 2008 will ich das Abenteuer Ärmelkanal angehen und richte mein Leben auf dieses Ziel aus. Verrückte haben in unserer Zeit Hochkonjunktur. Sollten Seelenverwandte diese Seite besuchen, rufe ich ganz laut  in den Rodauer Wald und bitte um Unterstützung. In welcher Form auch immer.

 

Im Rodauer Wald trainiere ich. In einem Bad, welches es schöner nicht gibt. Idyllisch, wunderschön gelegen und ruhend im Charme der Region. Nicht weit fern von dem Ort, wo der Weihnachtsmann wohnt. Ich trainiere für eine verrückte Sache in einem Bad, dessen Geschichte einzigartig ist. Der verrückte Opa wird vielleicht irgendwann meine Zeilen lesen und uns hoffentlich besuchen kommen. Er wird dann die Gewissheit erlangen, dass auch „junge“ Menschen ganz schön verrückt sein können.

 

Thomas Kaiser